Hufrehe beim Pferd – verstehen, früh erkennen und ganzheitlich begleiten
Hufrehe ist immer ein Notfall. Sie zählt zu den ernsthaftesten und zugleich schmerzhaftesten Erkrankungen beim Pferd. Dabei betrifft sie nicht nur den Huf, sondern ist stets Ausdruck einer systemischen Störung des gesamten Organismus. Umso wichtiger sind eine frühzeitige Erkennung, eine schnelle und konsequente tierärztliche Behandlung sowie eine ganzheitliche Begleitung um den weiteren Verlauf und die Lebensqualität des Pferdes positiv zu beeinflussen.
Wie entsteht eine Hufrehe?
Bei der Hufrehe kommt es zu einer Entzündung der Huflederhaut – jener Struktur, die das Hufbein im Inneren des Hufs stabilisiert und trägt. Durch Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörungen wird diese Verbindung geschädigt, was zu einem verminderten Halt des Hufbeintragapparates führen kann.
Typische Anzeichen einer Rehe
Eine Hufrehe zeigt sich oft plötzlich und deutlich. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
- Lahmheit, meist beidseitig an den Vordergliedmaßen, häufig mit Trachtenfußung und „trippelndem“ Gang zur Entlastung
- eine typische Schonhaltung mit vorgestreckten Vorderbeinen und nach hinten verlagertem Gewicht
- warme Hufe und ein verstärkter Puls der Mittelfußaterie
- erhöhte Puls und Atemfrequenz, eventuell auch erhöhte Körpertemperatur
- Muskelzittern, Schwitzen und reduzierte Bewegungsfreude oder vermehrtes Liegen
- Schmerzen beim Wenden, betroffene Pferde suchen gezielt weichen Untergrund
Bei diesen Anzeichen sollte umgehend tierärztlicher Rat eingeholt werden. Je früher die Symptome erkannt werden, desto besser ist die Prognose.
Therapie – Teamarbeit für das Pferd
Die Behandlung der Hufrehe gehört immer in tierärztliche Hand. Zentrale Maßnahmen sind:
- Kühlung der Hufe in der Akutphase
- Schmerz- und Entzündungsmanagement
- sofortige Futteranpassung mit Reduktion von Zucker und Fruktanen
- gezielte Hufbearbeitung in Zusammenarbeit mit dem Hufschmied
- angepasste Bewegung erst nach Abklingen der Akutphase
Eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist entscheidend für den Erfolg und kann gerade bei chronischer Rehe dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und erneuten Reheschüben vorzubeugen..
Jedes Rehe-Pferd bringt seine eigene Geschichte mit. Als Tierphysiotherapeutin begleite ich dein Pferd individuell und gerne in enger Abstimmung mit Tierarzt und Hufschmied. Eine angepasste, ganzheitliche Begleitung kann helfen, den Körper zu entlasten, Bewegungsfreude zurückzugewinnen und Rückfällen vorzubeugen – immer abgestimmt auf den aktuellen Gesundheitszustand deines Pferdes.
Gerne unterstütze ich dich dabei, den passenden Weg für dein Pferd zu finden.
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.Die Ursachen der Hufrehe sind vielfältig und gelten als multifaktoriell. Das bedeutet dass zahlreiche Auslöser eine Hufrehe begünstigen können, wobei meist mehrere Faktoren zusammenwirken und das Risiko erhöhen.
Häufige Ursachen sind:
- Fütterungsrehe durch eine zu hohe Zucker- und Fruktanaufnahme
- Stoffwechselerkrankungen wie EMS oder Cushing sowie Übergewicht
- Vergiftungen durch bestimmte Pflanzen, Medikamente, schimmeliges Futter oder Infektionen (z. B. Salmonellen)
- Belastungsrehe infolge von Fehl- oder Überbelastungen
- Geburtsrehe, etwa bei Nachgeburtsverhalten oder damit verbundenen Infektionen
- Auch Stress oder plötzliche Futterumstellungen können einen Reheschub begünstigen
Verlauf der Erkrankung
In der akuten Phase stehen Entzündung und starke Schmerzen im Vordergrund. Wird frühzeitig gehandelt, kann sich das Gewebe stabilisieren.
Bleibt eine konsequente Behandlung aus, kann sie in eine chronische Form übergehen. Dabei sind strukturelle Veränderungen am Huf möglich, wie eine Hufbeinrotation oder -senkung, die eine langfristige Einschränkung der Belastbarkeit nach sich ziehen können.
Physiotherapie als unterstützende Begleitung
Physiotherapie kann im Anschluss an die Akutphase und im weiteren Verlauf einen wertvollen Beitrag im Rehabilitationsprozess leisten. Durch die Schmerzen entwickeln viele Rehe-Pferde Schonhaltungen, muskuläre Verspannungen und Fehlbelastungen, die den Heilungsprozess beeinträchtigen können.
Die Physiotherapeutische Maßnahmen zielen
- schmerzbedingte Muskelspannungen zu lösen
- Beweglichkeit und Körperwahrnehmung zu verbessern
- den Stoffwechsel und die Durchblutung zu fördern
- das Pferd kontrolliert zurück in eine physiologisch sinnvolle Bewegung zu begleiten
- die langfristige Belastbarkeit und Lebensqualität zu unterstützen
Die Physiotherapie ersetzt keine tierärztliche Behandlung, ergänzt diese jedoch sinnvoll, im Rahmen der Rehabilitation.